Sexuelle Vielfalt und so manche Sauerei

Queertreiber-Banner: "Besorgte Eltern, Ent-Sorgt Euch!"

Queertreiber-Banner: „Besorgte Eltern, Ent-Sorgt Euch!“

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Am 17. Januar 2015 hielten die Besorgten Eltern ihre zweite Kundgebung in Augsburg gegen die „Frühsexualisierung von Kindern“ ab. Angemeldet hatte die Veranstaltung wieder der Augsburger Verein Träume-Ziele-Taten (TZT), der sich für das Besorgte-Eltern-Netzwerk engagiert, für 200 erwartete Teilnehmer. Erschienen waren aber nur etwa 50 bis 80, weswegen sie ihren geplanten Umzug durch die Altstadt absagten und nur eine gut zweistündige Kundgebung auf dem Rathausplatz abhielten. Sie kündigten dabei für dieses Jahr fünf weitere in München, Nürnberg und vor allem Augsburg an (hier ihre Termine). Die Besorgten Eltern wehren sich dagegen, dass Kinder in Kindergarten und Schule durch Aufklärungsarbeit mit Sexualität, sexueller Vielfalt und alternativen Familienformen konfrontiert werden, da dies negative Folgen für die kindliche Entwicklung habe.

Gegen die Etablierung ihrer rückwärts gewandten Positionen an Schulen fand sich eine gut doppelt so große Anzahl an Gegendemonstranten ein. An politischen Parteien waren unter ihnen vertreten die Grünen mit den Landtagsabgeordneten Claudia Stamm und Christine Kamm, die SPD, die Linke und die Piraten; daneben eine größere Gruppe der Antifa, außerdem der LSVD, das Forum Augsburg, der Kreisjugendring, pro familia und aus München Mitglieder des Queer-Referates der LMU, vom MLC und die QUEERTREIBER (siehe auch queer.de).

Mathias Ebert, Gründer des Besorgte-Eltern-Netzwerkes, der bei ihrer ersten Augsburger Demonstration im Oktober 2014 noch federführend teilnahm, war dieses Mal nicht anwesend. Damals trat als Redner zudem der CSU-Stadtrat Juri Heiser auf und versprach Unterstützung auf Stadtebene (siehe hier). Dieses Mal sprach er allerdings nicht. Ein solcher Auftritt hätte hinsichtlich einer Positionierung der CSU Fragen aufgeworfen: In München hatte sich die CSU im Mai 2014 aktiv gegen die Besorgten Eltern anlässlich ihrer dort geplanten Demonstration engagiert, v.a. da die Besorgten Eltern von der Münchener Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) unterstützt wurden. Die BIA beteiligte sich im Oktober in Augsburg zwar nicht öffentlich, allerdings wurde im Publikum ihr Vorsitzender Roland Wuttke gesehen (siehe Augsburger Allgemeine). Welcher Art Juri Heisers Rolle bei den Besorgten Eltern und ihrem Netzwerk ist, wollen die Grünen im Stadtrat thematisieren (siehe Augsburger Allgemeine). Diese Frage könnte in Augsburg für Reibung zwischen den Koalitionspartnern sorgen; die Stadt wird regiert von CSU, SPD und Grünen.

Screenshot von einem Post vom 10.01.2015 auf Wadim Renners Facebook-Seite (Jan. 2015)

Screenshot von einem Post vom 10.01.2015 auf Wadim Renners Facebook-Seite (Jan. 2015)

Die Leiter der Kundgebung und Mitbegründer des Vereins TZT, Wadim Renner und seine Tochter Julija, beklagten bei der Veranstaltung, sie wären  im Vorfeld als Nazis verunglimpft worden. Bei den Besorgten Eltern handle es sich ihrer Darstellung nach um nichts anderes, als was ihr Name andeutet: Eltern, die auf ihrem grundgesetzlich garantierten Recht bestehen, über die Erziehung ihrer Kinder zu bestimmen, und zwar ohne dass Religion oder politische Richtung ihrer Organisatoren und Unterstützer eine Rolle spielten. Die bisherigen Verwicklungen mit der BIA sowie das „Expertennetzwerk„, das sie zur Untermauerung ihrer Argumente heranziehen, lassen aber den Schluss zu, dass ihr politischer Hintergrund doch nicht so neutral ist, wie sie andeuten. Einer von Wadim Renners Facebook-Posts, auf dem er ein Bild der Facebook-Gruppe „Besorgte Eltern für deutsche Werte“ teilt, hinterlässt ebenfalls einen leichten Beigeschmack.  Sie betonen auch, sie seien nicht homophob, doch kratzt man ein wenig an ihrer Oberfläche, erscheint dies als bloße Augenwischerei. Abgesehen von ihrem reaktionären Netzwerk widersprechen sie sich in diesem Punkt selbst, wenn sie sexuelle Vielfalt einer „Sauerei“ gleichstellen, wie sie es in ihrem auch in Augsburg mehrfach aufgeführten Song „Wir sind stark im Netzwerk“ tun (siehe hier).

Die Augsburger Grünen hatten versucht, ebenfalls auf dem Rathausplatz eine Gegendemonstration anzumelden, was von der Stadt aber nicht genehmigt worden war. Stattdessen konnten sie am Moritzplatz  einen Infostand für Vielfalt und Toleranz errichten. Dennoch hielten sich die Gegendemonstranten zumeist am Rathausplatz auf und wurden dort von den Besorgten Eltern durch eine Polizeikette getrennt. Es kam zu keinen Zwischenfällen, auf beiden Seiten lief alles friedlich ab. Die Gegendemonstranten versuchten, die Parolen der Besorgten Eltern („Sex mit sechs im Unterricht, das geht nicht“, „Aufklärung mit sieben, das ist übertrieben“) mit eigenen Sprechchören zu übertönen. Mit einem Standort direkt vor dem historischen Rathaus waren die Besorgten Eltern sehr prominent aufgestellt. Im Nachhinein schien dieses aber eher zu ihrem Nachteil zu sein, da sie auf dem recht weiten Rathausplatz doch etwas verloren wirkten.

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Ein Kommentar

  1. Ich verfolge diese Sache schon seit einiger Zeit auch in anderen Medien, aber hier finde ich immer wieder Hintergrundinformationen, die anderswo nicht genannt werden. Deshalb wieder einmal herzlichen Dank für die gute Recherche und den Bericht!

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