Evangelikale

Besorgte Eltern in Augsburg am 17.1.2015: Fundamentalchristen im Hintergrund

Screenshot der Homepage der Embassy of God, Jan. 2015

Screenshot der Homepage der Embassy of God, Jan. 2015

Die Besorgten Eltern veranstalten am 17. Januar 2015 um 14:00 am Augsburger Rathausplatz ihre zweite Demo gegen „die Frühsexualisierung von Kindern“ in Bayern. Um ein Zeichen für Toleranz, Vielfalt und Weltoffenheit zu setzen, haben die Augsburger Grünen einen Infostand am Moritzplatz angemeldet. Die QUEERTREIBER werden ebenfalls vor Ort sein, um Flagge zu zeigen. Es sind alle eingeladen, sich anzuschließen.

Das Netzwerk der Besorgten Eltern wehrt sich gegen Sexualaufklärung von Kindern in Kindergärten und an Schulen. Ihrer Meinung nach hat eine „Konfrontation“ mit Sexualität in einem zu jungen Alter – dazu zählt für sie auch schon altersgerechte Aufklärung darüber, wie Kinder entstehen oder die bloße Information, dass es auch gleichgeschlechtliche Paare und Eltern gibt – schwerwiegende negative Folgen: nämlich geistige Verwirrung, Beziehungsunfähigkeit, diverse Perversionen und letztendlich die drohende Auflösung der Gesellschaft.

Sie bezeichnen sich zwar ausdrücklich als nicht homophob, doch setzt man sich etwas genauer mit ihren Positionen und vor allem ihren personellen Hintergründen auseinander, darf man diese Aussage als bloßes Feigenblatt bezeichnen. Seit ihrer letzten Demo in Augsburg im Oktober 2014 (wir berichteten) haben Kerstin Dehne und Werner Gaßner von den Münchner Grünen recherchiert, wer die Organisatoren vom Augsburger Ableger der Besorgten Eltern sind, und ihre Ergebnisse zuletzt am 8. Januar 2015 im Münchner Sub vorgestellt. Die treibenden Kräfte in Augsburg sind demnach Wadim Renner und seine Tochter Julija Renner. Sie sind Mitglieder der Embassy of God, einer Freikirche aus der Ukraine. Als evangelikale Glaubensgemeinschaft legt sie Wert auf die wortgetreue Auslegung der Bibel, einschließlich ihrer homofeindlichen Passagen. Konsequenterweise ging sie in Kiew aktiv gegen den CSD vor (siehe ihre Homepage). Bei Julija Renner geht ihre Mitgliedschaft aus einigen iher Facebook-Posts hervor. Wadim Renner wurde auf einer der Embassy-Seiten als „assistant Pastor“ in Berlin bezeichnet (siehe hier). Kerstin Dehne und Werner Gaßner konnten von mehreren weiteren personellen Verbindungen Renners ins Umfeld der Embassy berichten. Diese Glaubensgemeinschaft betreibt ihre Mission vor allem in Verbindung mit der Rehabilitation von Suchtkranken und Resozialisierung von Obdachlosen. Parallel dazu sucht sie gezielt die Nähe zur Politik, indem sie ihre Mitglieder in Parteien platziert (mehr in dieser 3sat-Produktion von 2014, ab min 24:30). Sie betreibt ein Netzwerk von Firmen und Vereinen, die nicht auf den ersten Blick der Embassy zugeordnet werden können.

Ähnliches scheint nun in Augsburg zu passieren. Laut des Portals RusDeutsch hat Wadim Renner bereits Vereine in Kassel und Berlin gegründet und setzt diese Aktivitäten nun in Augsburg fort. Er und seine Tochter Julija gründeten den Jugendverein Träume-Ziele-Taten (TZT), der die Augsburger Besorgte-Eltern-Demo im Oktober 2014 anmeldete und organisierte. TZT stellte sich dort als „normale Jugend mit gesunden Werten und gesunden Prinzipien“ dar, die Jugendlichen helfen wolle, ihren Platz im Leben zu finden. Eine organisatorische Basis in Augsburg besteht also bereits und auch der Kontakt in die Politik ist gegeben. Auf der letzten Demo war einer der Redner und Unterstützer Juri Heiser, Stadtrat der Augsburger CSU (hier die Liste der CSU-Räte). Abgesehen vom Kontakt in das höchste Gremium der Stadt bringt Juri Heiser auch Renommee mit, denn erst am 5. Dezember 2014 verlieh ihm Bundespräsident Joachim Gauck die Bundesverdienstmedaille für sein Engagement bei der Integration von Russlanddeutschen (siehe die Seite des Bundespräsialamtes). Interessant auch insofern, als sich die Münchner Stadratsfraktion der CSU öffentlich gegen die Besorgten Eltern engagiert hat (siehe hier), da sie in München von der NPD-nahen Bürgerinitiative Ausländerstop (BIA) unterstützt wurden.

Über inhaltliche Fragen zu Aufklärung an Schulen hinaus stellt sich also die Frage, ob hier nicht eine reaktionäre und fundamentalistische Glaubensgemeinschaft die Auseinandersetzung um deutsche Bildungspläne benutzt, um ihre Jüngerschaft in Bayern zu erweitern und hinter den Kulissen Einfluss auf Gesellschaft und Politik zu nehmen. Wadim Renner hat auf Facebook jedenfalls schon eine weitere Veranstaltung erstellt: Eine Besorgte-Eltern-Demonstration in Nürnberg im November 2015.

Update: Die Besorgten Eltern haben inzwischen zahlreiche weitere Termine veröffentlicht (Stand 14.01.2015). In Bayern am 28.3. in München, am 16.5. und 22.8. wieder in Augsburg und am 7.11. in Augsburg und Nürnberg (queer.de berichtete).

Advertisements