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Heute ist Coming-Out-Day!

Logo des National Coming Out Day von Keith Haring (Quelle: Wikipedia)

Logo des National Coming Out Day von Keith Haring (Quelle: Wikipedia)

Für viele liegt das eigene Coming-Out schon lange zurück. Je länger man als geoutete queere Person lebt, v.a. wenn man nicht auf Probleme im Alltag stößt, als desto selbstverständlicher nimmt man das wahr. Mitunter werden die Umstände, wieso andere nicht ebenso leben, immer weniger nachvollziehbar.

Aber natürlich entscheiden sich täglich zahllose Menschen dafür, ihren Mitmenschen gegenüber nicht zu sich selbst zu stehen. Das betrifft nicht nur Jugendliche, die ihre Identität und Orientierung gerade erst entdecken, zudem noch wirtschaftlich von ihren Eltern und Familien abhängig sind und deswegen existentielle negative Folgen eines Coming-Outs befürchten. Es betrifft auch erwachsene Menschen aller Altersstufen – sei es, dass sie nie den Mut gefunden haben, ihren bisherigen Lebensweg so massiv zu ändern, oder dass es ihnen tatsächlich erst relativ spät bewusst wird.

Ganz egal, wie – das Redeverbot, dass man sich selbst auferlegt, hat auf Dauer negative Auswirkungen. Es wirkt absolut erstickend auf die Person selbst und außerdem isolierend, wenn man sich nicht einmal dem engsten Umfeld in einer so grundlegenden Sache anvertrauen kann. Jugendliche, die feststellen, dass sie nicht der Heteronorm entsprechen, denken deutlich öfter an Selbstmord und leiden mehr an Depressionen und Essstörungen als heterosexuelle Jugendliche (Zahlen und weiterführende Literatur findet Ihr hier).

Am 11. Oktober 1987 fand in den USA der Second National March on Washington for Lesbian and Gay Rights mit etwa einer halben Million Teilnehmern statt. In der Folge entstand die Idee, auf die Probleme ungeouteter Menschen stärker aufmerksam zu machen und sie aktiver in ihrer Lage zu unterstützen. Seitdem hat sich der 11. Oktober in der LGBTIQ*-Community als „Feiertag“ für Aktionen rund um das Coming-Out etabliert. In Europa wurde das zunächst von der schweizer Community in den 1990ern übernommen und in Deutschland hat sich der Coming Out Day e.V. gegründet, um „über die Lebenssituation von lesbischen und schwulen Jugendlichen in Deutschland aufzuklären und diese zu verbessern.“ Der Verein betreibt Öffentlichkeitsarbeit zu diesem Thema und bietet finanzielle Unterstützung für lokale Projekte wie Coming-Out-Gruppen, Beratungsstellen, Jugendtreffs und Jugendgruppen.

In München kann man sich an die Coming-Out-Gruppen von diversity, LeTRa und Sub e.V. wenden, wenn man direkte Ansprechpartner für das eigene Coming-Out sucht und glaubt, solche im eigenen Umfeld nicht zu haben. Und wenn man auch vor diesem Schritt Angst haben sollte,  findet man auf YouTube zahllose – wenn auch zumeist englischsprachige – Erfahrungsberichte von YouTubern oder TV-Beiträge zum Thema Coming-Out, die einem hoffentlich Mut machen.

Ein Coming-Out ist nicht nur für den Einzelnen wichtig, sondern für die Community als Ganzes. Homphobie ist nachweislich v.a. unter solchen Personen verbreitet, die niemanden kennen, von dem/der sie wissen, dass er oder sie schwul, lesbisch oder bisexuell ist. Sollten sie dann doch irgendwann die Gelegenheit haben, ihren Horizont zu erweitern, weil sich jemand aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis geoutet hat, ändern sie oft ihre Einstellung zum positiven.

Deshalb ist ein Coming-Out eine große Sache, nicht nur für die jeweilige Person, sondern auch für uns alle. Denn jeder einzelne Fall, egal, ob von VIPs in den Medien oder von „Normalos“ bei ihren Freunden, wird sich auf das Klima auswirken, in dem jeder von uns leben muss. Insofern: happy Coming Out Day! Wir hoffen, dass nicht nur heute wieder viele den Mut finden, zu sich selbst zu stehen. Und wenn Ihr es tut, dann freuen wir uns nicht nur für und mit Euch, sondern wir sind Euch auch definitiv dankbar.

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Schwulenfeindliche Gewalt zur Wiesn

Trans- und homosexuelle Menschen werden immer noch Opfer von Beleidigung und körperlicher Gewalt, wie ein jetzt vor Gericht verhandelter Fall vom Oktoberfest letztes Jahr zeigt.

In der Nacht zum 3. Oktober fuhr eine Gruppe schwuler Männer in der Tram. Als sich zwei von ihnen küssten, fingen zwei andere Männer, Mitte 20, an, sie zu beleidigen und anzupöbeln. Als die Schwulen am Hauptbahnhof ausstiegen, folgten ihnen die beiden Männer. Nach kurzer Zeit griff der jüngere von ihnen einen der Schwulen mit einem Faustschlag ins Gesicht an. Im folgenden Gerangel schlug er einem zweiten mit der Faust auf die Nase. Polizisten, die sich am Hauptbahnhof aufhielten, wurden alarmiert und nahmen die Angreifer vorläufig fest.

Die beiden Angeklagten sagten in der Verhandlung aus, sie könnten sich an die Tat aufgrund ihres Alkoholpegels nicht mehr erinnern, was von einem Rechtsmediziner ausgeschlossen wurde. Das Gericht sprach sie wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung schuldig. Da auch Beschimpfungen gefallen waren wie  „Drecksschwuchteln, ihr gehört vergast. Früher wärt ihr ins KZ gekommen“, wurden sie ebenfalls – auch wenn sie beteuerten, nicht der rechten Szene anzugehören – wegen Volksverhetzung verurteilt. Die Geldstrafen belaufen sich auf 6.600 und 7.000 Euro. Dazu der Artikel auf sueddeutsche.de.

Wer mit homo- oder transfeindlicher Gewalt konfrontiert wird und über akute polizeiliche Hilfe hinaus nach weiterer Unterstützung sucht, kann sie finden bei LeTRa, beim Anti-Gewalt-Projekt des Sub e.V., beim Weißen Ring oder beim K 105, der Opferschutzstelle der Münchener Polizei.
Eine Liste von bundesweiten Beratungsstellen für Opfer von v.a. rechtsextremer, aber auch homophober Gewalt, stellt das Netz gegen Nazis zur Verfügung.

Schwule und bisexuelle Männer sollen auch Blutspenden dürfen!

keineBlutspende

Die Richtlinien der Bundesärztekammer schließen derzeit alle Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), vom Blutspenden aus. Der Grund hierfür ist der Schutz der Empfänger vor durch Blut übertragbaren Krankheiten, wie HIV oder Hepatitis C.
Der Ausschluss von Menschen mit risikoreichem Sexualverhalten ist hierfür eine Maßnahme. Bei heterosexuellen Männern wird durch einen Fragebogen ermittelt, ob der Spender ein hohes Risiko aufweist. Bei homo- oder bisexuellen Männern dagegen wird das Risiko von vornherein unterstellt.

Dies ist eine Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

Zudem werden eigentlich geeignete Spender am Blutspenden gehindert. Stefan Gerlach initiierte daher auf Change.org eine Online-Petition, in der er fordert zu überprüfen, ob der Fragebogen zur Blutspende umformuliert werden kann. Es soll nicht mehr unterschieden werden zwischen MSM generell und solchen Heterosexuellen, die risikoreichen Sex haben. Stattdessen sollen alle Personen ausgeschlossen werden, die ungeschützten Verkehr mit wechselnden Partnern haben, unabhängig von ihrem eigenen Geschlecht und dem ihrer Sexualpartner.

Die Petition hat bereits zahlreiche Unterstützer.
Es fehlen nur noch gut 100 Unterschriften, um die minimale Anzahl zu erreichen.
Genauere Informationen und die Möglichkeit zur Unterschrift gibt es hier.